Julia Forcher

Klettern ist vielseitig – man fühlt sich frei und eins mit der Natur, der Körper wird gestärkt und die richtige Portion Nervenkitzel ist auch immer mit dabei. Was Klettern aber mit Sicherheit nicht ist: langweilig. So sieht das auch Sportkletterin Julia Forcher.

 

Warum ausgerechnet Sportklettern?
Klettern ist extrem variantenreich und immer anders! Es ist nicht nur ein Ganzkörpersport, der sowohl die Beine als auch die Arme und Hände belastet, sondern auch ein Kopfsport. Neben der richtigen Technik muss der eiserne Wille da sein. Und selbstverständlich muss man, um den Klettersport zu lieben, ein Adrenalinjunkie sein.

Wenn du eine neue Route planst musst du dich sowohl physisch als auch psychisch darauf vorbereiten! Wie sieht dein Training aus?
Wenn man klettert ist man prinzipiell immer im Training. Es gibt keine Pausen.

Wie bereitest du dich gedanklich vor?
Alles beginnt während ich vor der Felswand stehe. Gedanken wie „Wo könnte ich mich einhängen?“ oder „Wo könnte ich sicher stehen?“ sind Standard. Wenn man dann vor der Wand steht, schwingen aber noch andere Gedanken und Gefühle mit: die Ungewissheit und die Angst vor einem Sturz. Man kann einfach nicht wissen, was auf einen zukommt, denn jede Klettertour ist anders.

Du sagst, dass das Gefühl der Angst mitschwingt. Wieso kletterst du trotz Angst beziehungsweise wie gehst du mit ihr um?
Die Angst gehört dazu. Sie ist wichtig und mein ständiger Begleiter. Mit ihr bin ich vorsichtiger, wacher und aufmerksamer. Ohne die Angst würden Fehler passieren. Man muss lernen mit der Angst und nicht gegen sie zu arbeiten. Außerdem ist der richtige Partner fürs Seilklettern Voraussetzung. Ich muss ihm zu 100% vertrauen. Er hält mein Leben in der Hand.

Wie ist das Gefühl, wenn du am Fels bist und nicht mehr weiter weißt oder die Gefahr besteht, dass du stürzt?
Man muss sich bewusst sein, dass man mit der Wand alleine ist, sobald man losklettert. In dieser Situation weiß ich, dass es nur mehr mich und den Fels gibt. Ich alleine kann mich aus einer schwierigen Lage retten. Alles hängt von mir und meinem nächsten Schritt ab. Solche Situationen zwingen einen, Grenzen zu überwinden und über sich selbst hinauszuwachsen. Man spürt den Nervenkitzel und die Anspannung. Man muss mit ihnen und nicht gegen sie arbeiten.

Wie fühlt es sich an, einen kritischen Moment zu überwinden und schließlich am Ziel der Route anzukommen?
Zuerst spüre ich totale Erleichterung. Alles fällt von mir ab. Ich denke mir nur: „Ich hab's geschafft!“. In dem Moment bin ich einfach nur stolz auf mich. Es ist ein irres Gefühl.

Würdest du jedem empfehlen, zu klettern?
Das kann man nicht. Klettern ist eine Leidenschaft, die du in dir trägst. Es ist ein Lebensgefühl und eine Liebe zum Risiko.

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